Schimmelgefahr allein reicht nicht für die Minderung
- Gericht
- LG Lübeck, 14. Zivilkammer
- Datum
- 02.03.2017
- Az
- 14 S 275/15
Kurz gesagt
Die Berufung blieb erfolglos, weil eine bloße Schimmelgefahr keinen ausreichenden Mietmangel belegte.

Fallrahmen
Worum ging es?
- 01
Streit um eine Wohnraummiete in Reinbek und die Frage, ob Wärmebrücken und eine behauptete Schimmelgefahr einen Mangel begründen.
- 02
Der Mieter verlangte ab Februar 2014 eine Mietminderung, ein Zurückbehaltungsrecht und einen Kostenvorschuss.
- 03
Zusätzlich verwies er auf behauptete Schimmelprobleme, Lüftungsbedarf und gesundheitliche Beschwerden.
Lesepfad
Von Sachverhalt zu praktischer Bedeutung
Sachverhalt
Der Fall
Es ging um eine Wohnraummiete in Reinbek. Streitpunkt war, ob die Wohnung wegen Wärmebrücken und der daraus abgeleiteten Gefahr einer Schimmelpilzbildung mangelhaft war. Der Mieter leitete daraus Rechte aus dem Mietverhältnis seit Februar 2014 her.
Die Vermieterin bestritt, dass konkrete und tragfähige Mängel vorlägen. Sie hielt den Vortrag zu Schimmel, Gesundheitsfolgen und weiteren Beanstandungen für nicht hinreichend belegt und verwies darauf, dass es an einem aktuellen, substantiierten Mangelvortrag fehle.
Der Mieter verlangte in der Berufung eine Mietminderung von 10 Prozent, ein Leistungsverweigerungsrecht und einen Kostenvorschuss. Er nannte Wärmebrücken im Bereich der Fenster, Fensteranschlüsse, der Balkontür sowie an Zimmerdecken und Außenwänden und berief sich auf Schimmelprobleme und gesundheitliche Beschwerden.
Das Landgericht wies die Berufung zurück. Die bloße Gefahr einer Schimmelpilzbildung reiche für einen Mangel nach § 536 BGB nicht aus. Erforderlich sei eine konkretisierte Gesundheitsgefahr oder ein sonstiger nachweisbarer Mangel; auch zum Lüftungsverhalten und zu den übrigen behaupteten Defiziten fehlte es an tragfähigem Vortrag.
Ergebnis
Kurzfazit
- Die Berufung blieb erfolglos, weil eine bloße Schimmelgefahr keinen ausreichenden Mietmangel belegte.
- Grund: Eine bloße Gefahr einer Schimmelpilzbildung genügt nach § 536 BGB nicht; nötig ist eine konkretisierte Gesundheitsgefahr oder ein sonstiger nachweisbarer Mangel.
- Außerdem fehlte es an substantiiertem Vortrag zu tatsächlichem Schimmelbefall und zu einem tragfähigen Zusammenhang zwischen den behaupteten Defiziten und den geltend gemachten Ansprüchen.
Einordnung
Warum ist das relevant?
- 1
§ 536 BGB verlangt eine konkrete Beeinträchtigung der Gebrauchstauglichkeit; abstrakte Risiken reichen nicht.
- 2
Für eine Minderung wegen Schimmel ist konkrete Gesundheitsgefahr oder tatsächlicher Befall regelmäßig der entscheidende Anknüpfungspunkt.
- 3
Mietervortrag muss die behaupteten Mängel und deren Auswirkungen nachvollziehbar konkretisieren.
Anwendung
Was heißt das praktisch?
Für Vermieter
- Bloße Schimmelgefahr allein muss noch keine Minderung tragen, wenn konkrete Befunde fehlen.
- Auf unsubstantiierten Vortrag zu Gesundheitsfolgen und pauschalen Mängelbehauptungen kann man sich gut verteidigen.
- Bei Vorschuss- und Zurückbehaltungsansprüchen lohnt der Blick auf den konkreten Zusammenhang zwischen Mangel und Forderung.
Für Mieter
- Wer wegen Schimmel mindern will, sollte konkrete Befunde, Orte, Zeitpunkte und Folgen sauber dokumentieren.
- Eine abstrakte Gefahr oder allgemeine Lüftungsproblematik reicht regelmäßig nicht aus.
- Gesundheitsbeeinträchtigungen müssen schlüssig und mit Bezug zur Wohnung dargelegt werden.
